Ansgarspiegel

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Monatsspruch Februar 2018

"Es ist das Wort ganz nahe bei dir, in deinem Munde und in deinem Herzen, dass du es tust."

Dtn 30, 14

Gottesrede hier, also: Gott in den „Mund“ gelegt: Meine Gebote, also das Gebotene, ist nicht kompliziert, nicht weit weg, sondern ganz nah in deinem Reden, in deinem Verstand (im Hebräischen ist das Herz der Sitz des Verstandes) – und es kommt nur darauf an, es zu tun. Ach, wenn es doch so einfach wäre! Ist es aber nicht. Es ist im Regelfall nicht klar, was das Gebotene ist. Natürlich, man kann Regeln aufstellen, das tut unser Gesetzgeber auch (und damals war es die Gemeinschaft der Priester, die im Namen Gottes diese Spielregeln formulierte), und manches davon ist vernünftig und wenn sich alle daran halten, ist alles in Ordnung. Aber: Wertvorstellungen wandeln sich und was vor Jahren ein Skandal war, ist heute normal. Als 1970 eine Abgeordnete der SPD im Hosenanzug den Bundestag betrat, gab es eine Riesenaufregung und der damalige Bundestagsvizepräsident der CSU hatte angekündigt, einer solchen Hosen tragenden Frau das Rederecht zu entziehen – Frau Merkel hätte nie im Bundestag sprechen können. Manchmal tut man auch das „Gute“ - und es erweist sich als total verkehrt: Ein junger Marathonläufer bricht kurz vor dem Ziel zusammen, die Helfer denken, er sei dehydriert und pumpen Wasser in ihn. Daran wäre er fast gestorben. Denn was ihm fehlte, waren die ausgeschwitzten Salze, sein Elektrolythaushalt war zusammengebrochen. Man hat es gerade noch rechtzeitig gemerkt und nun statt Wasser Salz in ihn gepumpt. Von Erich Kästner stammt der berühmte Satz, nein, es sind zwei: „Es gibt nichts Gutes. Außer man tut es.“ Der erste Satz: Es gibt nicht das Gute (es sei denn so allgemein formuliert, dass es schon fast wieder nichts sagt: Keiner hat etwas gegen Liebe, aber was ist das so Unterschiedliches im Konkreten! Keiner hat was gegen Respekt, aber Respektlose so einfach zu respektieren ist auch schwierig...), moralische Werte verändern sich wie der Börsenwert des Goldes und vieler Aktien in den letzten 10 Jahren. Außer man tut es: Etwas kann dadurch gut werden, dass man Gutes tut. Und manchmal weiß man dann hinterher, dass es gut war (oder eben auch leider nicht). Und, um es noch etwas komplizierter zu machen: Manchmal ist Nichts-Tun das Beste, was man machen kann. Wie man es dreht und wendet: Was wir auch tun oder lassen, manchmal ist es richtig und gut, manchmal falsch und verkehrt. Und dann bedürfen wir der Vergebung, die wird uns – Gott sei Dank! – gewährt!

 

H. Martens

 

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