Monatsspruch Juni

Man muss Gott mehr gehorchen als den Menschen.

(Apg 5,29)

Der Satz klingt einfach, ist es aber nicht. Was heißt hier: „Man muss“? Man muss erst einmal gar nichts. Und wenn Gott mehr zu gehorchen ist als den Menschen, dann muss man also Menschen auch gehorchen - nur weniger als Gott? Welchen Menschen müsste ich denn gehorchen? Und wieso? Und worin? Da ist mir nichts eingefallen. Erwachsene sollten nicht gehorchen, vor allem keinem Führer. Andererseits: Aus dem Wort „gehorchen“ schimmert verblasst noch das „hören“ hervor: Hören auf das, was andere Menschen sagen, ja, das kann sehr sinnvoll sein. Weil auch andere Erfahrungen machen, von denen ich profitieren kann, weil auch andere gute Ideen haben, weil ein Blick von außen in mancher Lage hilfreich sein kann. Und hören auf Gott? Auch wenn wir von Gott in personalen Bilder reden, ist er aber doch keine Person, die zu uns redet wie andere Personen - Menschen - es tun. Und auf die Bibel als „Gottes Wort“ zu hören, hilft auch nicht weiter, denn sie ist nicht Gottes Wort, aber Menschen erzählen in ihr, was sie meinen als Gottes Wort verstanden zu haben – in ihrer Lage und unter ihrem Weltbild – meist anders als unseres, 2000 Jahre später. Hören auf Gott kann ich mir nur so vorstellen: Ich versuche herauszuhören, was nach dem, was ich meine als das Wesentliche des Christentums begriffen zu haben, das je Angemessene in einer konkreten Situation sein könnte: Heraushören, was der Liebe, der Barmherzigkeit, der Gerechtigkeit dient. Und danach handeln, mehr als nach dem, was eventuell Menschen von mir fordern. Zumindest ist es gut, wenn das gelingt. Aber man muss nicht - wenn es z.B. bedeuten würde, das eigene Leben zu riskieren. Darum geht es in der Geschichte, aus der der Satz oben stammt. Petrus sagt ihn zu den Herrschern, die die Christusverkündigung unter Androhung von Gefängnis verboten hatten. Aber das ist nicht unser Problem in Deutschland, Gott sei Dank! Und doch mag es auch hier Situationen geben, in denen „Gottes-“ gegen Menschen“gehorsam“ steht – und dann ist meine Selbstverantwortung gefragt – keiner entlässt mich aus ihr.

Pastor Helge Martens

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