Ansgarspiegel

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Monatsspruch April

Was sucht Ihr den Lebenden bei denToten? Er ist nicht hier, er ist auferstanden.

(Lk 24,5-6)

Sie will ihm einfach immer wieder nah sein. Darum (be-)sucht sie ihn auch bei den Toten. Sie waren gut und gerne miteinander alt geworden. Dann griff die Krankheit bei ihm zu. Eines Tages stand sie fest, die Diagnose, die niemand hören will - und die doch so vielen zugemutet ist. Ehe die Therapie so richtig beginnen konnte, galt er als austherapiert. Dann ist er gestorben. Oft kommt sie seitdem auf den Friedhof. Nimmt ein paar frische Frühlingsblumen mit in diesen Tagen. Harkt die dunkle Erde vor dem großen Grabstein. So groß ist der, wie der Stein auf ihrem Herzen, den noch niemand wegzurollen vermag. Und doch ist es gut für sie, her- zukommen. Immer wieder. Hier, auf dem Friedhof, kann sie etwas tun. Sie macht das Grab schön für ihn - und für sich. Das stützt und das stärkt. Sie bleibt nicht eingefroren und regungslos in ihrem Trauer-Schnecken-Haus. Immer wieder geht sie los. Das kostet - und das schenkt Kraft. Auch das ist Teil dieser eigenartigen Spannung, mit und in der sie jetzt lebt. Es ist ein guter Ort, die Gemeinschaftsgrabstätte unserer Kirchenge - meinde. Hier haben sich Menschen zusammengetan, die im Leben auf- einander Acht geben und im Tod beieinander bleiben möchten. Der große Findling an der Stirnseite ist, wie unsere Kirche auch, von einem großen, schlichten Kreuz geprägt. Vor den Platten, auf denen die Namen der Ver- storbenen eingraviert werden, werden mehrmals im Jahr frische Blumen gepflanzt. Die Gemeinschaft trägt das alles - eine echte Alternative zu einer anonymen Beisetzung. Sie kommt oft hierher, die Witwe. Und doch: Immer wenn sie zum Grab kommt ist es auch, als bebte die Erde. Schneller pocht dann ihr Herz. Wegen der tausend Traurigkeiten oder, auch das, der vergegenwärtigten Freude von einst. Meist wohl wegen dieser eigentümlichen Mischung aus beidem... Ein Engel ist ihr hier noch nie begegnet, jedenfalls keiner mit weißen Ge- wändern. Und noch kennt sie auch nicht die Erfahrung, dass der Verstor- bene ihr hier näher wäre, als anderswo. Sie spürt die Erde. Feucht ist sie und kalt. Hier nimmt sie intensiv wahr, was der Fall ist. Dieser Ort erdet sie auch in der Realität. In ihrer Realität. Seine Realität sieht anders aus. Doch davon an Ostern mehr. Gesegnete Ostern!

Ihr Pastor Tobias Götting

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